Pflanzen richtig giessen – so versorgen Sie Ihre Pflanzen professionell mit Wasser

Wasser ist das Lebenselixier jeder Pflanze – und doch zählt falsches Giessen zu den häufigsten Ursachen für kümmerliches Wachstum oder sogar das Absterben von Pflanzen. Ob Zimmerpflanzen oder winterharte Pflanzen im Freien: Der Wasserbedarf kann stark schwanken und hängt von verschiedenen Faktoren ab.

In diesem Ratgeber erfahren Sie, worauf es beim richtigen Giessen wirklich ankommt, wie Sie typische Fehler vermeiden und mit einfachen Profi-Tricks dauerhaft gesunde, kräftige Pflanzen fördern.

Warum der Wasserbedarf von Pflanzen so unterschiedlich ist

Der Wasserverbrauch einer Pflanze ist keine feste Grösse. Mehrere Einflüsse bestimmen, wie viel Wasser tatsächlich benötigt wird:

Standort und Lichtverhältnisse

Pflanzen an hellen oder sonnigen Standorten verbrauchen deutlich mehr Wasser als solche im Halbschatten oder Schatten. Mehr Licht bedeutet mehr Wachstum – und damit auch einen höheren Wasserbedarf.

Wetter und Temperatur

Sonnige, warme Perioden steigern die Verdunstung über die Blätter erheblich. Auch die Wuchsleistung nimmt bei höherer Lichtmenge zu. An trüben oder kühlen Tagen hingegen reduziert sich der Wasserverbrauch spürbar.

Jahreszeit

Im Sommer wachsen Pflanzen wegen der längeren Tage und viel höheren Lichtsumme stärker und benötigen entsprechend mehr Wasser. Im Winter verlangsamt sich das Wachstum – der Wasserbedarf sinkt deutlich, verschwindet jedoch nie ganz.

Baumkronen können bei Gefässpflanzen wie Regenschirme wirken.

Gefässgrösse und Umtopfen

Steht eine Pflanze über Jahre im selben Topf und ist stark gewachsen, hat sich vermutlich das Verhältnis Laubmasse-Wurzelraum verschlechtert. Die Folge: häufigeres Giessen wird nötig. Grosszügige Gefässe erleichtern das richtige Wässern erheblich. Zudem frieren grössere Pflanzgefässe im Aussenbereich weniger schnell durch als kleinere.

Wurde frisch umgetopft, ist wahrscheinlich noch nicht das gesamte Gefässvolumen durchwurzelt. Grössere Giessabstände fördern die Ausbreitung der Wurzeln – die Pflanze soll nach dem Wasser ’suchen‘.

Regen nicht überschätzen

Lassen Sie sich nicht vom Regen täuschen! Bei vielen Pflanzen wirkt die Krone wie eine Art Regenschirm und lenkt viel Wasser am Gefäss vorbei auf den umliegenden Boden. Deshalb: Es muss schon während einiger Zeit sehr intensiv regnen, damit sich der Wurzelballen vollständig vollsaugen kann und man sich das Giessen schenken kann.

Achtung, wenn einzelne Pflanzen im Regenschatten stehen – beispielsweise an einer Hausmauer oder in einem überdachten Bereich. Vergessen Sie die Wasserversorgung dieser Pflanzen auch bei anhaltenden Niederschlägen nicht!

Laubabwerfend und Immergrün

Laubabwerfende Pflanzen verdunsten im Winter kaum Wasser und müssen daher nicht gegossen werden. Findet im Frühling der starke Austrieb statt, ist an warmen Tagen der Wasserbedarf ähnlich hoch wie an sommerlichen Hitzetagen.

Immergrüne müssen hingegen auch im Winter gegossen werden. Wählen Sie dazu milde, frostfreie Phasen und sorgen Sie dafür, dass sich der Wurzelballen richtig vollsaugen kann.

Bergbach mit Wasserfall
Acer palmatum als Schattenspender auf einer Terrasse

Terrassenpflanzen auf sonnigen Südseiten benötigen besonders viel Wasser.

Richtig giessen – die Grundregel, die immer gilt:

Lieber selten, dafür gründlich

Wenn gegossen wird, dann richtig: Der gesamte Wurzelballen sollte vollständig durchfeuchtet werden.

Idealerweise die gesamte Erdoberfläche benetzen, sodass sich das Substrat vollsaugen kann. Am besten 2-3 Mal im Abstand von 30-60 Minuten wiederholen. War der Wurzelballen stark abgetrocknet, anfangs kleinere Wassermenge verabreichen. Das Substrat quillt dann auf und kann beim 2. und 3. Mal mehr Feuchtigkeit aufnehmen.

Überschüssiges Wasser muss immer abfliessen können.

Zimmerpflanzen richtig giessen

Zimmerpflanzen stammen meist aus tropischen Regionen und benötigen das ganze Jahr über Wasser – im Sommer jedoch deutlich mehr als im Winter.

Trockenzeiten bewusst zulassen

Einige Pflanzen wie Elefantenfuss oder Yucca sind an saisonale Trockenzeiten gewöhnt. Diese Phase lässt sich ideal im lichtarmen Winterhalbjahr nachahmen.

Häufig wird angenommen, dass der Wasserbedarf im Winter wegen trockener Heizungsluft ansteige. Aufgrund des spärlichen Lichtangebotes benötigen die Pflanzen aber trotzdem deutlich weniger Wasser als im Sommer.

Vorsicht vor Staunässe

Zu häufiges Giessen ist einer der populärsten Pflegefehler. Vernässtes Substrat führt schnell zu Wurzelschäden. Besser ist es, seltener, dafür kräftig zu giessen.

In Übertöpfen steht oftmals Wasser. Darum nach dem Wässern prüfen und ausleeren. Kleinere Gefässe können angehoben werden – dadurch lässt sich ganz einfach das Gewicht kontrollieren.

Gefässpflanzen draussen richtig giessen

Hoher Wasserbedarf im Sommer

Terrassenpflanzen werden meist automatisch bewässert – standardmässig etwa jeden zweiten Tag. In Hitzephasen benötigen Gefässpflanzen viel Wasser. Wenn das ganze Land unter einer Hitzewelle stöhnt, sollte durchaus auch jeden Tag gegossen werden.

Bewässerungscomputer dann entsprechend umstellen.

Immergrüne im Winter nicht vergessen

Gerade im Winter werden Gefässpflanzen im Freien oft übersehen. Doch die immergrünen Pflanzen benötigen auch in der kalten Jahreszeit Wasser. Mindestens alle 14 Tage sollte die Restfeuchte im Topf geprüft und in milden Phasen gegossen werden. Trockene Wurzelballen führen bei Immergrünen selbst im Winter zu Schäden.

Terrassenbepflanzung mit immergrünen Pinus sylvestris Watereri

Immergrüne Terrassenpflanzen benötigen auch im Winter gelegentlich Wasser.

Terrasse

Grosszügig dimensionierte Gefässe erleichtern das Giessen enorm.

Der bewährte Profi-Trick – die Fingerprobe

Trotz aller Regeln verlassen sich erfahrene Gärtner letztlich auf ihr Gespür. Kleinere Gefässe können hochgehoben oder angekippt werden, um das Gewicht zu prüfen. Für grössere Töpfe gibt es einen einfachen Test:

So funktioniert die Fingerprobe

Graben Sie mit dem Finger einige Zentimeter unter die Erdoberfläche:

  • Rieselt oder staubt die Erde → zu trocken

  • Bleibt sie zusammen oder klumpt → ausreichend feucht

Diese Methode ist einfach und verhindert zuverlässig sowohl Trockenstress als auch dauerhaft nasse Wurzeln.

Fazit – mit Wissen und Gefühl zum Giess-Erfolg

Pflanzen richtig zu giessen erfordert kein Geheimwissen, sondern Aufmerksamkeit, ein wenig Erfahrung und ein gewisses Gespür. Mit hochwertigem Substrat, ausreichend grossen Gefässen und einem Bewusstsein für Jahreszeit, Wetter und Standort lassen sich Giessfehler zuverlässig vermeiden.

Wer seine Pflanzen beobachtet und regelmässig die Bodenfeuchte prüft, wird mit gesundem Wachstum belohnt und hat lange Freude an seinen Pflanzen.

Weiterführende Themen aus unserem Ratgeber rund um Terrassengestaltung und Pflanzen:

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